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Motivational Interviewing

Inhalt

Motivational Interviewing

Motivational Interviewing ist eine patientenzentrierte, zielorientierte Gesprächsführung zur Überwindung von Ambivalenzen im Gesundheitsverhalten durch Stärkung der intrinsischen Motivation und der Selbstverpflichtung zur Veränderung (Miller & Rollnick, 2002). Motivational Interviewing (MI) eignet sich insbesondere für Personen mit geringer oder ambivalenter Bereitschaft zur (gesundheitlichen) Veränderung. Diese Ambivalenz gegenüber einer Verhaltensänderung wird thematisiert. Zentrale Basis von Motivational Interviewing sind die Werte – die Grundhaltung –, die das Setting der Gespräche definieren.

Grundhaltung

MI ist ein patienten-zentrierter Beratungsstil, bei dem sich die Gesprächspartner auf Augenhöhe begegnen.

  • Zusammenarbeit: Patient/-innen sind die Expert/-innen für ihr eigenes Leben; Grundversorgende sind Expert/-innen für die Begleitung von Changeprozessen.
  • Akzeptanz: die Ambivalenzen der Patient/-innen respektieren, ihre Autonomie akzeptieren, Stärken (Ressourcen) hervorheben
  • Mitgefühl: empathische Sichtweise
  • Evokation (Hervorrufen): selektives Verstärken von Change Talk

→ Zusammenarbeit und nicht Konfrontation
→ Autonomie und nicht Autorität
→ Hervorrufen und nicht Eingeben

Prozess

Der Prozess des Motivational Interviewing gliedert sich in vier zentrale Schritte:

  1. Engaging: Empathie ausdrücken, Vertrauen aufbauen
  2. Focusing: WAS soll geändert werden? Diskrepanz entwickeln
  3. Evoking: WESHALB soll es geändert werden? «Change-talk» erkennen, «rolling with resistance»
  4. Planing: WIE soll etwas geändert werden? Eigenwirksamkeit unterstützen, SMARTe Ziele sezten (Spezifisch, Messbar, Attraktiv oder Akzeptiert, Realistisch, Terminiert)

Werkzeuge

Miller und Rollnik (2002) definieren vier Werkzeuge, welche ab Beginn der Beratung eingesetzt werden sollen und zusammengefügt das tragende Gerüst eines zielführenden Gesprächs bilden – die OARS:

  • Open ended questions: offene Fragen stellen
  • Affirmations: Wertschätzung von Stärken, Fähigkeiten und Erfolgen
  • Reflective Listening: einfache Reflektion (Wiederholen und Paraphrasieren), komplexe Reflektion (Spiegeln von Emotionen, Probedeutung, widersprüchliche Reflektion)
  • Summarizing: zusammenfassen

Eine konkrete Form, um Motivational Interviewing in der Arztpraxis einzusetzen, ist das Gesundheitscoaching, das vom Kollegium für Hausarztmedizin entwickelt wurde. Beratung wird dabei als Teamarbeit zwischen Berater/-in (Coach) und Beratenem/-er auf gleicher Augenhöhe verstanden. Der/Die Beratene übernimmt dabei eigenverantwortlich den aktiven Teil und macht das Projekt zu “seinem/ihrem Projekt”. Mehr Informationen zu Gesundheitscoaching finden Sie auf der Website des KHM.

Tools zu Motivational Interviewing

... für die Ärzteschaft und Medizinische Praxis-Fachpersonen

MI-Change-Talk.png
Change Talk erkennen

Übersichtsblatt zum Erkennen von Change Talk.

Zum Dokument (PDF, 1 Seite)

MI-Dos-Donts.png
Dos & Don'ts

Übersicht der Dos & Don’ts im Patientengespräch.

Zum Dokument (PDF, 1 Seite)

Mi-evokative-Fragen.png
Evokative Fragen

Übersichtsblatt zu evokativen Fragen, die im direkten Patientenkontakt gestellt werden können.

Zum Dokument (PDF, 1 Seite)

MI-OARS.png
OARS-Werkzeuge

Übersichtsblatt zu den OARS-Werkzeugen (Open questions, Affirmations, Reflective listening, Summarizing).

Zum Dokument (PDF, 1 Seite)

MI-Gesundheitscoaching.png
Gesundheitscoaching

Beratungstool zum Gesundheitscoaching zum Ausfüllen.

Zum Dokument (PDF, 2 Seiten)

Beratung zu Lebensstil & Prävention – Motivational Interviewing

Fortbildung

Dieses Fortbildungsmodul bietet Gelegenheit die Methode des Motivational Interviewings zu üben und stellt die Theorie in einem E-Learning zur Verfügung.

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